Pokémon · Ratgeber

Japanische Karten importieren: die echten Kosten

Der Preis im japanischen Shop ist nicht der Preis, den du zahlst. Auf jede Sendung aus Japan kommen 19 % Einfuhrumsatzsteuer, ab 150 Euro Warenwert zusätzlich 2,7 % Zoll – und der Versand zählt zum Warenwert dazu. In der Praxis landen 20 bis 22 Prozent oben drauf. Dieser Artikel zeigt den Rechenweg, drei Beispiele und warum ein falsch eingetragener Kaufpreis deinen ROI systematisch schönrechnet.

📅 29. Juli 2026 · ⏱ 8 Min. Lesezeit · Von Pascal Huber

Stand der Abgaben: geprüft am 29. Juli 2026 für Einfuhren nach Deutschland. Zollsätze, Wertgrenzen und die Gebühren der Transportdienstleister können sich ändern – im Zweifel beim Zoll oder beim jeweiligen Dienstleister nachsehen.

Das Wichtigste in Kürze

Position Wert
Einfuhrumsatzsteuer19 % – fällt seit dem 1. Juli 2021 ab dem ersten Cent an
Zoll auf Sammelkarten2,7 % – erst ab 150 Euro Warenwert
Zolltarifnummer9504 40 00 (Spielkarten)
Was zählt zum Warenwert?Kaufpreis plus Versandkosten
Reihenfolge der BerechnungZoll auf den Warenwert, danach 19 % auf Warenwert plus Zoll
BagatellgrenzeLäge die Einfuhrumsatzsteuer unter 1 Euro, wird sie nicht erhoben – das betrifft nur Kleinstsendungen
Gebühr des DienstleistersKommt oben drauf, je nach Anbieter unterschiedlich
Effektiver Aufschlag19 % unter der Grenze, rund 22 % darüber

Welche Abgaben anfallen

Japan ist für die EU ein Drittland. Damit greifen zwei Abgaben, und sie funktionieren unterschiedlich.

Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 % ist das Gegenstück zur Mehrwertsteuer im Inland. Bis Mitte 2021 gab es eine Freigrenze von 22 Euro, unter der kleine Sendungen steuerfrei blieben. Diese Grenze ist zum 1. Juli 2021 entfallen – seitdem fällt die Einfuhrumsatzsteuer grundsätzlich ab dem ersten Cent an. Wer sich noch an günstige Einzelkarten ohne Aufschlag erinnert: Das ist seit fünf Jahren vorbei.

Der Zoll ist die zweite Abgabe und die kleinere. Sammelkarten laufen zolltariflich als Spielkarten unter der Position 9504 40 00, der Zollsatz beträgt 2,7 %. Anders als die Einfuhrumsatzsteuer greift er erst ab einem Warenwert von 150 Euro.

Dazu kommt eine dritte Position, die keine Abgabe ist, aber wie eine wirkt: die Auslagenpauschale des Transportdienstleisters für die Zollabwicklung. Die Höhe unterscheidet sich je nach Anbieter und Sendung – bei Postsendungen liegt sie im einstelligen Eurobereich, bei Express-Dienstleistern kann sie sich an der Höhe der Abgaben orientieren. Diesen Posten siehst du erst bei der Zustellung, kalkulieren solltest du ihn trotzdem.

Der Rechenweg

Die Reihenfolge ist wichtig, weil die Einfuhrumsatzsteuer auf den Zoll mit draufkommt:

Schritt Rechnung
1. Warenwert bildenKaufpreis + Versandkosten
2. Zoll prüfenWarenwert unter 150 Euro → kein Zoll. Ab 150 Euro → 2,7 % vom Warenwert
3. BemessungsgrundlageWarenwert + Zoll
4. Einfuhrumsatzsteuer19 % der Bemessungsgrundlage
5. GesamtkostenWarenwert + Zoll + Einfuhrumsatzsteuer + Gebühr des Dienstleisters

Weil die Steuer auf den Zoll aufsetzt, liegt der effektive Aufschlag über der 150-Euro-Grenze nicht bei 19 + 2,7 = 21,7 %, sondern bei rund 22,2 %. Kein dramatischer Unterschied, aber es erklärt, warum die Rechnung am Ende immer etwas höher ausfällt als grob geschätzt.

Die 150-Euro-Grenze und der Versand

Der teuerste Irrtum beim Import: anzunehmen, die 150 Euro bezögen sich auf den Kartenpreis. Sie beziehen sich auf den Warenwert einschließlich Versand. Bei internationalem Versand aus Japan sind 15 bis 30 Euro normal – die Grenze ist also deutlich früher erreicht, als der Warenkorb vermuten lässt.

Wie unangenehm das wird, zeigt ein Sprung um wenige Euro. Eine Bestellung mit 140 Euro Kartenwert und 9 Euro Versand liegt bei 149 Euro Warenwert: kein Zoll, 28,31 Euro Einfuhrumsatzsteuer, zusammen 177,31 Euro. Dieselbe Bestellung mit 15 Euro Versand liegt bei 155 Euro: 4,19 Euro Zoll, 30,25 Euro Einfuhrumsatzsteuer, zusammen 189,44 Euro.

Sechs Euro mehr Warenwert kosten also 12,13 Euro mehr – weil mit dem Überschreiten der Grenze der Zoll auf den gesamten Warenwert anfällt, nicht nur auf den Teil darüber. Wer knapp an der Grenze liegt, sollte die Versandart zweimal ansehen.

💡 Gut zu wissen: Der Effekt ähnelt der Freigrenze bei privaten Veräußerungsgeschäften – auch dort kippt bei Überschreiten die ganze Summe, nicht nur der übersteigende Teil. Mehr dazu im Artikel Sammelkarten verkaufen: Steuern und Unterlagen.

Drei Rechenbeispiele

Bestellung Warenwert Zoll Einfuhrumsatzsteuer Summe
Einzelkarte 40 € + 12 € Versand 52,00 € 9,88 € 61,88 €
Mehrere Karten 130 € + 25 € Versand 155,00 € 4,19 € 30,25 € 189,44 €
Display 300 € + 40 € Versand 340,00 € 9,18 € 66,34 € 415,52 €

In allen drei Fällen kommt die Gebühr des Transportdienstleisters noch obendrauf. Die 40-Euro-Karte kostet dich also real rund 62 Euro, das 300-Euro-Display rund 416 Euro. Das ist keine Kleinigkeit, die man im Kopf überschlagen kann – es ist ein Fünftel.

Warum dein ROI sonst falsch ist

Dashboard mit Gesamtwert, Gesamtinvestition und Wertentwicklung der Sammlung
Der ROI vergleicht den aktuellen Wert mit dem, was du eingetragen hast – deshalb muss der Kaufpreis stimmen.

Hier wird aus einer Zollfrage ein Tracking-Problem. Wer die Karte aus dem ersten Beispiel mit 40 Euro als Kaufpreis einträgt statt mit den tatsächlichen 61,88 Euro, bekommt eine Rendite angezeigt, die es nie gab.

Angenommen, die Karte steht später bei einem Trend-Preis von 70 Euro. Mit 40 Euro als Basis zeigt dein Portfolio +75 %. Mit den echten 61,88 Euro sind es +13,1 %. Beide Zahlen beziehen sich auf dieselbe Karte und denselben Marktwert – der Unterschied liegt allein darin, was du als Einstand hinterlegt hast.

Bei einer Karte ist das ärgerlich. Bei einer Sammlung, die zu einem guten Teil aus Japan-Importen besteht, verschiebt es den Gesamtwert der Investition spürbar – und damit jede Aussage darüber, ob sich das Sammeln bisher gerechnet hat.

Kaufpreis richtig eintragen

Einzelkartenübersicht mit Kaufpreis, Menge, Sprache und aktuellem Wert je Karte
Der Kaufpreis je Position ist das Feld, das über die Richtigkeit deiner Rendite entscheidet.

Die Regel ist einfach: Trag die Kosten ein, die dich die Karte gebracht haben – nicht den Shop-Preis. Also Kaufpreis plus anteiliger Versand plus anteilige Abgaben.

Bei einer Sammelbestellung verteilst du die Nebenkosten anteilig nach Wert. Beispiel: Wenn eine Bestellung über 155 Euro Warenwert am Ende 189,44 Euro kostet, entspricht das einem Faktor von rund 1,22. Eine Karte, die im Shop 30 Euro kostete, trägst du also mit rund 36,60 Euro ein. Das ist genau genug – auf den Cent kommt es hier nicht an, auf die Größenordnung schon.

Zwei Dinge, die dabei gern verwechselt werden. Erstens: Der angezeigte Wert ändert sich dadurch nicht. Der kommt vom Trend-Preis der verlinkten Cardmarket-Produktseite und hat mit deinen Importkosten nichts zu tun. Du korrigierst die Investitionsseite, nicht die Bewertung.

Zweitens: Japanische Sets haben auf Cardmarket eigene Produktseiten. Der Trend-Preis, den du siehst, ist also der des japanischen Drucks und nicht der der westlichen Fassung – dafür musst du nichts weiter tun, als den richtigen Link einzufügen. Welche japanischen Sets es gibt, steht in der Übersicht aller japanischen Pokémon-Sets.

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Häufige Fragen

Ab welchem Betrag zahle ich Einfuhrumsatzsteuer?

Grundsätzlich ab dem ersten Cent. Die frühere Freigrenze von 22 Euro ist zum 1. Juli 2021 entfallen. Nur wenn die Einfuhrumsatzsteuer unter einem Euro läge, wird auf die Erhebung verzichtet – das betrifft Sendungen im einstelligen Eurobereich.

Ab wann kommt zusätzlich Zoll dazu?

Ab einem Warenwert von 150 Euro. Sammelkarten fallen unter die Zolltarifnummer 9504 40 00 mit einem Zollsatz von 2,7 %. Unter 150 Euro fällt nur die Einfuhrumsatzsteuer an.

Zählen die Versandkosten zum Warenwert?

Ja. Der Warenwert ist Kaufpreis plus Versand. Bei 20 bis 30 Euro Versand aus Japan verschiebt das die 150-Euro-Grenze erheblich – eine Bestellung über 130 Euro Kartenwert kann damit bereits zollpflichtig sein.

Wie hoch ist der Aufschlag insgesamt?

Unter 150 Euro Warenwert sind es 19 %. Darüber rund 22,2 %, weil die Einfuhrumsatzsteuer auch auf den Zollbetrag anfällt. Dazu kommt die Gebühr des Transportdienstleisters für die Zollabwicklung.

Welchen Preis trage ich im Tracker ein?

Die tatsächlichen Kosten, also Kaufpreis plus anteiligen Versand plus anteilige Abgaben. Bei einer Sammelbestellung verteilst du die Nebenkosten anteilig nach Wert. Trägst du nur den Shop-Preis ein, zeigt dein ROI eine Rendite, die es so nie gab.

Bekomme ich für japanische Karten einen eigenen Preis?

Ja, denn japanische Sets haben auf Cardmarket eigene Produktseiten. Weil der Wert einer Position vom Trend-Preis der verlinkten Seite stammt, siehst du den Preis des japanischen Drucks und nicht den der westlichen Fassung.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechts-, Zoll- oder Steuerberatung dar. Dargestellt sind die allgemeinen Regeln für private Einfuhren nach Deutschland zum Stand Juli 2026; Zollsätze, Wertgrenzen und Gebühren können sich ändern – verbindliche Auskünfte erteilt der Zoll. Sammelkarten sind keine regulierten Finanzprodukte; ihr Wert kann schwanken und auch sinken. Kauf- und Verkaufsentscheidungen triffst du eigenverantwortlich.