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Lohnt sich Grading? Der Rechenweg für Europa

„Ab 50 Euro Kartenwert lohnt sich Grading" – diese Faustregel liest man überall, und sie taugt seit 2026 nichts mehr. Der Grund: Zwischen den Diensten liegt inzwischen Faktor fünf. Über eine europäische Zwischenstelle kostet CGC rund 23 Euro und PSA Regular rund 114 Euro. Damit gibt es keine einzelne Schwelle mehr, sondern eine je Dienst. Dieser Artikel zeigt, wie du sie für deine Karte selbst ausrechnest.

📅 13. August 2026 · ⏱ 11 Min. Lesezeit · Von Pascal Huber

Stand der Angaben: geprüft am 13. August 2026. Grading-Preise und Laufzeiten ändern sich häufig – 2026 besonders stark. Verbindlich sind immer die Angaben des jeweiligen Anbieters. Euro-Beträge in Klammern sind Umrechnungen zum Kurs von 1,15 US-Dollar je Euro (Stand 14.08.2026).

Das Wichtigste in Kürze

Frage Antwort
Gibt es eine feste Schwelle?Nein – sie hängt vom gewählten Dienst ab, und der Unterschied ist groß
Was kostet CGC aus Europa?Rund 23 Euro je Karte über eine Zwischenstelle
Was kostet PSA Regular?Rund 114 Euro je Karte über eine Zwischenstelle
Warum ist PSA so viel teurer?Die günstigen Value-Stufen sind seit Juni 2026 pausiert
Wovon hängt der Mehrwert ab?Von der Karte – der Aufschlag für Top-Noten ist bei jeder Karte anders
Wann lohnt es sich nie?Wenn du keine 9 oder 10 erwartest
Was ist die richtige Frage?Nicht „ab wie viel Euro", sondern „wie hoch ist der Aufschlag bei genau dieser Karte"

Was Grading überhaupt macht

Beim Grading bewertet ein Dienstleister den Zustand einer Karte nach festen Kriterien – Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche – vergibt eine Note und verschweißt die Karte in einer versiegelten Hülle.

Drei Dinge entstehen dadurch. Erstens Eindeutigkeit: Statt einer Selbsteinschätzung wie „Near Mint", über die sich streiten lässt, steht eine Zahl fest. Zweitens Schutz: Die Karte ist dauerhaft vor Knicken, Kratzern und Feuchtigkeit gesichert. Drittens – und nur manchmal – ein höherer Preis.

Der dritte Punkt ist der, um den es beim Rechnen geht, und er ist der unsicherste. Der Aufschlag entsteht nicht durch das Grading an sich, sondern durch die Kombination aus hoher Note und gefragter Karte. Eine perfekt erhaltene Karte, die niemand sucht, wird durch eine 10 nicht wertvoll.

Die Dienste im Vergleich

Dienst Skala Stärke
PSA1–10, ganze NotenHöchste Marktakzeptanz; eine PSA 10 erzielt bei vielen Karten die besten Preise
CGC1–10, mit HalbschrittenDeutlich günstiger, wachsende Akzeptanz, gradet inzwischen in München
BGS (Beckett)1–10 mit Halbschritten, dazu vier SubgradesEinzige Skala mit gestufter Spitze: Gem Mint 9.5, Gold Label und Black Label
SGC1–10Gutes Verhältnis von Tempo und Preis

Eine Besonderheit hat BGS, die man kennen sollte: Über der 9.5 gibt es dort nicht eine, sondern drei Stufen. Für Gem Mint 9.5 müssen alle vier Subgrades bei mindestens 9 liegen, davon drei bei 9.5 oder höher. Für das Gold Label müssen alle bei mindestens 9.5 liegen, davon drei bei 10. Und das Black Label verlangt in allen vier Kategorien eine glatte 10 – bei der Zentrierung also 50/50, ohne Ausnahme.

Das ist für die Rechnung weiter unten wichtig: Bei PSA ist die 10 das Ende der Fahnenstange, bei BGS entscheidet sich oberhalb der 9.5 noch einmal, in welcher Liga die Karte landet. Ein Black Label ist ausgesprochen selten und erzielt entsprechende Aufschläge – die Wahrscheinlichkeit, eines zu bekommen, ist aber gering genug, dass man nicht damit kalkulieren sollte.

Der Unterschied in der Marktakzeptanz ist real und lässt sich nicht wegdiskutieren: Für den Weiterverkauf bringt eine PSA-Note bei vielen Karten mehr als dieselbe Note eines anderen Anbieters. Wer dagegen die eigene Sammlung schützen und dokumentieren will, hat diesen Zwang nicht – und kann den günstigeren Weg gehen.

Was es aus Europa kostet

Bis 2026 lautete die Antwort für europäische Sammler immer gleich: in die USA schicken, Zoll und Wartezeit einkalkulieren. Das hat sich verändert. CGC bewertet inzwischen dauerhaft in München, PSA hat in Frankfurt ein Zentrum eröffnet – dort dürfen aber bislang nur autorisierte Händler und Partner einliefern. Für Privatsammler führt der Weg deshalb aktuell über eine Zwischenstelle, die Einsendungen bündelt.

Transparenzhinweis: S.L.A.P ist Partner von TCGPriceTracker. Nach der Anmeldung findest du in deinem Konto einen Rabattcode über 5 %; bei Einsendungen darüber erhalten wir eine Provision. Auf die Einordnung in diesem Artikel wirkt sich das nicht aus – die genannten Alternativen stehen ohne Partnerschaft dabei, und wo ein anderer Weg günstiger ist, steht das auch so da.

Weg Preis je Karte Bearbeitung
CGC über S.L.A.P22,99 € inkl. Rückversandrund 75 Tage
PSA Regular über S.L.A.P113,99 € inkl. Rückversandnach PSA-Laufzeit
PSA Regular direkt in den USA79,99 $ (rund 70 €) zzgl. Versand, Versicherung und Einfuhrabgaben40–60 Tage plus Transport
CGC Economy direkt20 $ (rund 17 €) zzgl. Versand und Abgaben90 Arbeitstage

Der Vergleich der beiden europäischen Wege ist das Kernstück dieses Artikels: 22,99 € gegen 113,99 € – Faktor fünf für dieselbe Dienstleistung an derselben Karte. Das ist kein Detail, das entscheidet darüber, ob sich Grading überhaupt rechnet.

Ein Detail, das man beim Rechnen mitnehmen muss: Bei S.L.A.P ist der Rückversand im Preis enthalten, der Hinversand nicht. Du zahlst also zusätzlich, was dich der versicherte Versand zur Zwischenstelle kostet – ein einmaliger Betrag je Sendung, nicht je Karte.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Mehrere Karten in einer Sendung senken die Kosten je Karte spürbar. Wer eine einzelne Karte einschickt, trägt den Hinversand allein; bei fünf Karten verteilt er sich auf fünf. Genau deshalb sammeln Sammler ihre Einsendungen, statt sie einzeln loszuschicken.

Der Grund für den PSA-Preis liegt nicht bei der Zwischenstelle, sondern bei PSA selbst: Die vier günstigen Value-Stufen sind seit dem 2. Juni 2026 pausiert, weil sich ein Rückstau von zeitweise 14 Millionen Karten aufgebaut hat. Die Hintergründe stehen in PSA-Rückstau.

Beim Direktversand in die USA kommt zur Gebühr noch einiges hinzu: Versand hin und zurück, Versicherung und die Einfuhrabgaben beim Rückversand. Wie stark das zu Buche schlägt, rechnen wir in Japanische Karten importieren vor – beim Rückweg aus den USA gilt derselbe Mechanismus.

Die Schwelle selbst ausrechnen

Pauschale Schwellenwerte sind bequem und meistens falsch, weil sie den entscheidenden Wert unterschlagen: den Aufschlag bei genau deiner Karte. Der ist bei einer gefragten Vintage-Karte ein Vielfaches und bei einer aktuellen Massenkarte fast null.

Der Rechenweg hat drei Schritte:

Schritt Was du tust
1. Ungegradeten Wert feststellenTrend-Preis deiner Karte in Near Mint
2. Gegradeten Wert nachschlagenAbgeschlossene Verkäufe derselben Karte in PSA 10 bzw. CGC 10 – nicht Wunschpreise aktiver Angebote
3. Differenz gegen die Kosten stellenGegradeter Wert − ungegradeter Wert − Grading-Kosten = dein Gewinn

Ein Rechenbeispiel mit offen genannten Annahmen. Eine Karte steht ungegradet bei 80 Euro, vergleichbare Exemplare in Top-Note gehen für 160 Euro weg – also das Doppelte.

Über CGC für 22,99 €: 160 € − 80 € − 22,99 € = 57,01 € Gewinn, abzüglich des Hinversands. Das lohnt sich deutlich.

Über PSA Regular für 113,99 €: 160 € − 80 € − 113,99 € = −33,99 €, also ein Verlust. Bei dieser Karte lohnt es sich nicht, obwohl eine PSA-Note am Markt mehr gilt.

Eine Unterscheidung, die in solchen Rechnungen fast immer fehlt: Was du für die Karte bezahlt hast, kommt hier bewusst nicht vor – jedenfalls dann nicht, wenn sie dir bereits gehört. Für die Frage „soll ich diese Karte graden lassen?" zählt allein, ob der Aufschlag die Grading-Kosten übersteigt. Ob du sie vor drei Jahren für 20 € gekauft oder für 150 € zu teuer erwischt hast, ändert daran nichts – das Geld ist so oder so ausgegeben, und Grading macht einen Fehlkauf nicht rückgängig.

Anders liegt es, wenn du eine Karte kaufst, um sie graden zu lassen. Dann rechnest du gegen den Kaufpreis statt gegen den ungegradeten Wert: erwarteter gegradeter Wert − Kaufpreis − Grading-Kosten − Hinversand. Das ist die deutlich riskantere Variante, weil zwei Unsicherheiten zusammenkommen – ob du günstig genug eingekauft hast und ob die Note stimmt.

Für dein Portfolio gilt trotzdem beides: Der Kaufpreis bleibt der Einstand der Position, und die Grading-Kosten kommen oben drauf. Die Rechnung „lohnt sich das?" und die Frage „was hat mich diese Karte insgesamt gekostet?" sind zwei verschiedene Dinge, und nur die zweite gehört ins Tool.

Damit dieselbe Rechnung bei PSA aufgeht, müsste der gegradete Wert bei 193,99 € liegen – oder die Karte deutlich wertvoller sein. Als grobe Orientierung: Bei einem Aufschlag um das Doppelte rechnet sich CGC ab etwa 25 bis 30 Euro Kartenwert, PSA erst ab etwa 115 bis 130 Euro. Wer Sicherheitspuffer für eine schlechter als erhoffte Note einbaut und den Hinversand mitrechnet, legt in beiden Fällen noch etwas drauf.

Das Risiko: wenn die Note enttäuscht

Die Rechnung oben unterstellt eine Top-Note. Trifft die nicht ein, kippt sie – und zwar schlimmer als nur „kein Gewinn".

Eine niedrige Note kann den Wert einer Karte senken. Der Grund ist psychologisch nachvollziehbar: „Near Mint" ist eine Selbsteinschätzung, die einem Käufer Spielraum lässt. Eine bestätigte 8 ist ein festgestellter Makel, dokumentiert und dauerhaft mit der Karte verschweißt.

Daraus folgt die wichtigste Regel dieses Artikels: Nur einsenden, wenn du realistisch mit einer 9 oder 10 rechnest. Sieh dir die Karte vorher bei gutem Licht an – Zentrierung, weiße Stellen an Ecken und Kanten, Kratzer auf der Oberfläche. Sei dabei streng mit dir; die Grader sind es auch.

💡 Gut zu wissen: Der Kostenvergleich verschiebt auch die Risikorechnung. Bei 22,99 € ist eine enttäuschende Note ärgerlich. Bei 113,99 € ist sie teuer – der günstigere Dienst verzeiht Fehleinschätzungen also eher.

Gegradete Karten im Portfolio

Einzelkartenübersicht mit Spalten für Zustand, Grading, Kaufpreis und Wert je Karte
Bewertungsstelle und Note je Position – zusammen mit Kaufpreis, Menge und Wert.

Nach dem Grading stimmt eine Zahl in deinem Portfolio nicht mehr: der Wert. Der angezeigte Trend-Preis stammt von der verlinkten Cardmarket-Produktseite und bildet die ungegradete Karte ab. Eine PSA 10 kann er nicht abbilden – das ist keine Lücke des Tools, sondern eine Eigenschaft des Marktpreises.

In TCGPriceTracker hinterlegst du deshalb Bewertungsstelle und Note je Position und trägst für gegradete Karten einen eigenen Wert ein. Dafür gibt es je Position ein Feld für den manuellen Wert, das Vorrang vor dem Trend-Preis hat.

Genauso wichtig ist die andere Seite: Die Grading-Kosten gehören zum Einstand. Wer 80 Euro Kaufpreis stehen lässt und die 22,99 Euro Gebühr nicht dazurechnet, sieht eine Rendite, die es nicht gibt. Trag den Kaufpreis plus Gebühr plus Versand ein – dann stimmt der ROI.

Grading, Einstand und Wert je Karte an einem Ort. Kostenlos starten mit 20 Produkten, 30 Einzelkarten und 10 Watchlist-Einträgen.

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Häufige Fragen

Ab welchem Kartenwert lohnt sich Grading?

Es gibt keine feste Grenze, weil die Kosten je nach Dienst um Faktor fünf auseinanderliegen. Bei einem Aufschlag um das Doppelte rechnet sich CGC ab etwa 25 bis 30 Euro Kartenwert, PSA Regular erst ab etwa 115 bis 130 Euro. Entscheidend ist der Aufschlag bei deiner konkreten Karte – den schlägst du über abgeschlossene Verkäufe nach.

Warum ist PSA plötzlich so teuer?

PSA hat zum 2. Juni 2026 alle vier günstigen Value-Stufen pausiert, weil sich ein Rückstau von zeitweise 14 Millionen Karten aufgebaut hatte. Die günstigste bestellbare Stufe ist seitdem Regular. Die Pause soll gelten, bis der Rückstau auf 5 Millionen Karten fällt.

Kann Grading den Wert einer Karte senken?

Ja. Eine Note von 8 oder darunter ist ein bestätigter und dauerhaft dokumentierter Makel, während „Near Mint" als Selbsteinschätzung Spielraum lässt. Schick deshalb nur Karten ein, bei denen du realistisch mit einer 9 oder 10 rechnest.

PSA oder CGC?

Für den Weiterverkauf hat PSA die höhere Marktakzeptanz und erzielt bei vielen Karten bessere Preise. Für Schutz und Dokumentation der eigenen Sammlung ist CGC bei einem Fünftel der Kosten die vernünftigere Wahl. Rechne den Aufschlag gegen die Mehrkosten – bei mittleren Kartenwerten gewinnt fast immer CGC.

Kann ich direkt nach Frankfurt einsenden?

Als Privatsammler derzeit nicht. PSA bewertet dort seit August 2026, nimmt aber vorerst nur Einsendungen autorisierter Händler und Partner an. Voller Zugang ist für später in diesem Jahr angekündigt.

Wie erfasse ich eine gegradete Karte im Tracker?

Bewertungsstelle und Note werden je Position hinterlegt. Weil der Trend-Preis die ungegradete Karte abbildet, trägst du für gegradete Exemplare einen eigenen Wert ein, der Vorrang hat. Die Grading-Gebühr und den Versand rechnest du zum Kaufpreis, sonst zeigt der ROI eine zu hohe Rendite.

Vorher rechnen statt hinterher ärgern

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die genannten Preise und Laufzeiten geben den geprüften Stand vom 13. August 2026 wieder und stammen von den jeweiligen Anbietern; sie ändern sich laufend. Die Rechenbeispiele sind Modellrechnungen mit offen genannten Annahmen und keine Wertprognose für eine konkrete Karte. S.L.A.P ist Partner von TCGPriceTracker; bei Einsendungen über unseren Rabattcode erhalten wir eine Provision. Sammelkarten sind keine regulierten Finanzprodukte; ihr Wert kann schwanken und auch sinken. Kauf- und Verkaufsentscheidungen triffst du eigenverantwortlich.