TCG-Glossar: Sammelkarten-Begriffe erklärt
„NM/M, Reverse Holo, kein Whitening, PSA 9 im Slab, Rest ist Bulk." Wer neu einsteigt, versteht in solchen Anzeigen ungefähr die Hälfte — und bezahlt für die andere Hälfte. Dieses Glossar erklärt über 70 Begriffe aus Zustand, Seltenheit, Preisen, Grading und Community-Slang, jeweils in einem Satz.
Die Begriffe stammen aus dem englischsprachigen Raum und werden auch im Deutschen fast immer englisch verwendet. Wo sich eine deutsche Entsprechung durchgesetzt hat, steht sie dabei.
Zustand
Die gängige Zustandsskala im europäischen Handel hat sieben Stufen. Sie ist der wichtigste Preisfaktor überhaupt — zwischen der besten und der schlechtesten Stufe liegt bei alten Karten schnell das Zehnfache.
| Kürzel | Begriff | Bedeutung |
|---|---|---|
| M | Mint | Makellos, wie frisch aus dem Booster, ohne jede Gebrauchsspur |
| NM | Near Mint | Nahezu makellos, allenfalls minimale Spuren bei genauem Hinsehen |
| EX | Excellent | Leichte Spuren an Kanten oder Oberfläche, aus der Distanz unauffällig |
| GD | Good | Deutlich sichtbare Gebrauchsspuren, aber keine Beschädigung |
| LP | Light Played | Klar erkennbar gespielt, Kanten und Ecken merklich abgenutzt |
| PL | Played | Stark gespielt, mehrere deutliche Mängel |
| PO | Poor | Schwere Schäden: Knicke, Risse, Wasserflecken, Beschriftung |
Dazu kommen Begriffe für einzelne Mängel:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Whitening | Weiße Stellen an den Kanten, wo die farbige Rückseite abgerieben ist — der häufigste Abwertungsgrund |
| Edge Wear | Kantenabnutzung allgemein, oft gleichbedeutend mit Whitening |
| Corner Wear | Abnutzung an den Ecken; Ecken sind empfindlicher als Kanten |
| Surface Scratches | Kratzer auf der Oberfläche, bei Holo-Karten besonders sichtbar |
| Print Line | Herstellungsbedingte Linie im Druckbild, kein Gebrauchsschaden |
| Centering | Zentrierung des Motivs zwischen den Rändern; ab Werk oft ungleich und beim Grading ein Hauptkriterium |
| Bend / Crease | Verbiegung ohne bzw. mit bleibendem Knick — ein Crease ist ein schwerer Mangel |
| Warping | Wellung der Karte, meist durch Feuchtigkeit oder Temperaturwechsel |
Praxisregel: Zustandsangaben sind Selbsteinschätzung des Verkäufers, kein geprüfter Standard. Im Zweifel eine Stufe tiefer einstufen — die Alternative sind Reklamationen.
Seltenheit und Kartentypen
Jedes Spiel hat eigene Seltenheitsstufen. Diese Begriffe tauchen spielübergreifend auf:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Common / Uncommon / Rare | Die Grundstufen der Seltenheit, meist am Symbol unten auf der Karte erkennbar |
| Holo | Karte mit glänzender Folienfläche, meist im Bildbereich |
| Reverse Holo | Glanz nicht im Bild, sondern auf dem Rest der Karte — eine eigene Variante derselben Karte |
| Foil | Sammelbegriff für Karten mit Folienveredelung; bei Magic der übliche Ausdruck |
| Full Art | Motiv über die gesamte Kartenfläche, ohne klassischen Rahmen |
| Alt Art | Alternative Illustration derselben Karte, meist deutlich begehrter als die Standardversion |
| Secret Rare | Karte mit einer Nummer über der offiziellen Setgröße — technisch „nicht im Set enthalten" |
| Promo | Karte außerhalb regulärer Sets, etwa aus Aktionen, Turnieren oder Kooperationen |
| Enchanted | Die höchste Seltenheitsstufe bei Lorcana, mit eigener Veredelung und eigenem Motiv |
| Special Illustration Rare | Hochwertige Illustrationsvariante in neueren Pokémon-Sets, oft die teuerste Karte eines Sets |
| Error Card | Karte mit Herstellungsfehler; kann je nach Fehler Aufpreis bringen oder wertlos sein |
| 1st Edition | Kennzeichnung der ersten Druckauflage, bei alten Pokémon-Sets ein erheblicher Preisfaktor |
| Shadowless | Frühe Base-Set-Variante ohne Schattenkante am Bildrahmen, seltener als die spätere Fassung |
| Reprint | Neuauflage einer Karte in einem späteren Set; drückt in der Regel den Preis der Erstauflage |
Wie stark diese Merkmale den Preis bewegen, hängt vom Spiel und vom Set ab — Seltenheit allein sagt wenig, entscheidend ist das Zusammenspiel aus Auflage und Nachfrage.
Preise und Markt
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Trend-Preis | Gewichteter Durchschnitt der zuletzt verkauften Exemplare — der brauchbarste Maßstab für den aktuellen Wert |
| Tiefstpreis | Das günstigste aktuelle Angebot; oft in schlechtem Zustand und deshalb kein Maßstab |
| Durchschnitt 30 Tage | Mittelwert der Verkäufe des vergangenen Monats, nützlich zur Einordnung des Trends |
| Spread | Abstand zwischen dem, was Käufer zahlen, und dem, was Verkäufer verlangen |
| Marktwert | Was am Markt tatsächlich gezahlt wird — nicht zu verwechseln mit dem Angebotspreis |
| ROI | Return on Investment: das Verhältnis von Gewinn zu eingesetztem Kapital |
| Verkaufsprovision | Anteil des Verkaufspreises, den die Plattform einbehält |
| Bulk | Karten mit sehr geringem Einzelwert, die nur als Menge gehandelt werden |
| Bulk-Preis | Preis pro Karte beim Mengenverkauf, meist Bruchteile eines Cents bis wenige Cent |
| Sealed | Ungeöffnete Originalverpackung; wird eigenständig gehandelt und getrennt bewertet |
| Singles | Einzelkarten im Gegensatz zu verpackter Ware |
Häufiges Missverständnis: Der angezeigte Preis einer Karte ist ein Marktwert, kein garantierter Verkaufserlös. Was am Ende ankommt, hängt zusätzlich von Provision, Zahlungsgebühr und Versand ab — nachgerechnet in Cardmarket-Gebühren.
Grading
Beim Grading beurteilt ein Dienstleister den Zustand einer Karte nach festen Kriterien, vergibt eine Note und verschweißt die Karte in einem Schutzgehäuse.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| PSA | Professional Sports Authenticator, der weltweit meistgenutzte Grading-Dienst |
| BGS | Beckett Grading Services, bekannt für Teilnoten und die Black Label |
| CGC | Certified Guaranty Company, dritter großer Anbieter |
| Slab | Das versiegelte Gehäuse, in dem eine gegradete Karte steckt |
| Gem Mint | Die Note 10 bei PSA: nahezu perfekt in allen Kriterien |
| Pristine 10 | Bei BGS und CGC eine Stufe über der regulären 10, mit strengeren Anforderungen |
| Black Label | BGS-Auszeichnung, wenn alle vier Teilnoten bei 10 liegen — extrem selten |
| Subgrades | Teilnoten für Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche |
| Population Report | Übersicht, wie viele Exemplare einer Karte in welcher Note existieren |
| Crossover | Umgraden einer bereits gegradeten Karte zu einem anderen Anbieter |
| Regrade | Erneutes Einreichen in der Hoffnung auf eine bessere Note |
| Turnaround | Bearbeitungszeit vom Eingang bis zum Rückversand |
| Declared Value | Der angegebene Kartenwert, der die Preisstufe der Einreichung bestimmt |
Ob sich der Aufwand rechnet, hängt vom Kartenwert und der erwarteten Note ab — durchgerechnet in Grading: wann es sich lohnt. Zur Wartezeit siehe PSA-Rückstau, zum Einreichen aus Deutschland PSA in Deutschland.
Produkte und Verpackung
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Booster | Einzelnes Kartenpäckchen mit zufälligem Inhalt |
| Display / Box | Karton mit typischerweise 18, 24 oder 36 Boostern |
| Case | Versandkarton mit mehreren Displays |
| Elite Trainer Box (ETB) | Pokémon-Produkt mit Boostern, Hüllen, Würfeln und Zubehör |
| Blister | Kleine Verkaufseinheit mit ein bis drei Boostern, oft mit Promo-Karte |
| Bundle | Zusammenstellung mehrerer Booster in einer Verpackung |
| Theme Deck / Starter | Fertiges Deck zum Einstieg, spielbar ohne weitere Karten |
| Collection Box | Set aus Boostern und einer oder mehreren Sonderkarten |
| Pull Rate | Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Karte aus einem Booster zu ziehen |
| God Pack | Booster, der ausschließlich seltene Karten enthält |
| Weighing / Mapping | Versuche, Booster mit seltenen Karten vorab zu erkennen — im Handel als Betrug behandelt |
| Resealed | Geöffnete und wieder verschlossene Verpackung; Betrugsmasche beim Sealed-Kauf |
Bei versiegelter Ware lohnt der Blick auf die Verschweißung: Eine wieder verschlossene Packung ist der häufigste Betrugsweg in diesem Bereich.
Schutz und Aufbewahrung
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Penny Sleeve | Dünne, günstige Kartenhülle für den Grundschutz |
| Perfect Fit | Enganliegende Innenhülle, meist unter einer zweiten Hülle |
| Double Sleeve | Zwei Hüllen übereinander: Perfect Fit innen, stabile Hülle außen |
| Toploader | Steifes Kunststoffetui gegen Knicke, Standard beim Versand wertvoller Karten |
| Magnetic Holder | Hochwertiger Halter mit Magnetverschluss, oft mit UV-Schutz |
| Team Bag | Verschließbare Tüte, die Hülle und Toploader zusammen schützt |
| Binder | Sammelalbum mit Kartentaschen |
| Side Loader | Binder-Tasche mit seitlichem Einschub, damit Karten nicht herausfallen |
| Deckbox | Box für gesleevte Karten, meist 60 bis 100 Stück |
| Storage Box | Größere Box für mehrere hundert bis mehrere tausend Karten |
Als Faustregel: Bis wenige Euro reicht eine einfache Hülle, ab zweistelligen Beträgen kommt ein Toploader dazu, und wirklich teure Karten liegen doppelt gehüllt im Magnethalter.
Community-Slang
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Chase Card | Die begehrteste Karte eines Sets, meist der Grund, warum Boxen gekauft werden |
| Hit | Eine wertvolle Karte aus einem Booster |
| Pull | Das Ziehen einer bestimmten Karte aus einem Booster |
| PC | Personal Collection: Karten, die nicht zum Verkauf stehen |
| Grail | Die eine Karte, die jemand seit Langem sucht |
| WTB / WTS / WTT | Want to buy / sell / trade — Kennzeichnung in Anzeigen und Foren |
| LGS | Local Game Store: der Kartenladen vor Ort |
| Rip | Das Öffnen von Boostern |
| Flipping | Kurzfristiger Weiterverkauf mit Gewinnabsicht |
| Scalping | Aufkaufen knapper Ware, um sie über dem Ladenpreis weiterzuverkaufen |
| Cardboard Crack | Selbstironische Bezeichnung für das Suchtpotenzial des Hobbys |
| Vintage | Ältere Sets; bei Pokémon meist die Wizards-Ära bis etwa 2003 |
| Modern | Aktuelle Sets der laufenden Produktgeneration |
| Meta | Die im Turnierspiel gerade dominierenden Decks und Karten |
| Staple | Karte, die in vielen Decks gespielt wird und deshalb dauerhaft gefragt ist |
| Rotation | Ausscheiden älterer Sets aus dem Turnierformat; drückt oft die Preise betroffener Karten |
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Was bedeutet NM bei Sammelkarten?
NM steht für Near Mint: nahezu makellos, allenfalls minimale Spuren, die man beim genauen Hinsehen findet. Es ist die zweithöchste Stufe der gängigen Zustandsskala, direkt unter Mint, und die mit Abstand häufigste Angabe im Handel.
Was ist der Unterschied zwischen Holo und Reverse Holo?
Bei einer Holo-Karte glänzt der Bildbereich, bei einer Reverse Holo der Rest der Karte um das Bild herum. Es sind zwei eigenständige Varianten derselben Karte, die getrennt gehandelt werden und unterschiedlich viel wert sein können.
Was heißt Bulk?
Bulk sind Karten mit sehr geringem Einzelwert, die nur als Menge gehandelt werden — meist für Bruchteile eines Cents bis wenige Cent pro Karte. Der Einzelverkauf lohnt sich dort nicht, weil der Zeitaufwand den Erlös übersteigt.
Was ist ein Slab?
Das versiegelte Kunststoffgehäuse, in dem eine gegradete Karte steckt. Es enthält die Karte, das Etikett mit Note und Seriennummer und lässt sich nicht öffnen, ohne sichtbar zerstört zu werden. Öffnen macht die Bewertung ungültig.
Was bedeutet Whitening?
Weiße Stellen an den Kanten, an denen die farbige Rückseite abgerieben ist und der helle Kern durchscheint. Es ist der häufigste Grund für eine Abwertung und bei dunklen Kartenrückseiten besonders auffällig.
Was ist eine Chase Card?
Die begehrteste Karte eines Sets — meist der eigentliche Grund, warum Displays gekauft und geöffnet werden. Sie bestimmt oft den Preis des gesamten Sets, weil die Nachfrage sich auf diese eine Karte konzentriert.
Fehlt ein Begriff?
Das Glossar wird laufend ergänzt. Wenn dir etwas fehlt, schreib uns über die Kontaktseite — Begriffe, nach denen mehrfach gefragt wird, nehmen wir auf.
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